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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

08.05.2001

Der große Radikalinski-Schwindel

Zur Kritik der Antifa

Der Schwindel namens Antifa ist aufgeflogen. Warum, so muß gefragt werden. Das Schicksal der autonomen linksradikalen Antifa-Gruppen der 90er kann kein anderes sein als der historische Zweck der Linken bisher, der sich geschichtlich gegen Marx und seiner radikalen Kritik der bürgerlichen Gesellschaft stellte.
Seit die Linke die Bühne der bürgerlichen Politik betreten hat, diente sie Staat und Kapital als Modernisierungsfaktor. Die Linke war - ob als traditionelle parteikommunistische, syndikalistische oder neue antiautoritäre Linke nie mehr als eine Triebkraft der Kapitalreproduktion: der objektiven Krisenhaftigkeit des Kapitalismus wegen instrumentalisierte das Kapital seine vermeintlich radikalsten Gegner in der Oppositionsrolle als Mittel zum Zweck - zur Aufrechterhaltung der objektiv unveränderlichen Konstitutionsbedingungen der bürgerlichen Gesellschaft.
Das Kapitalverhältnis als eines von Kapital und Arbeit als objektivierter Klassenantagonismus hat sich mit der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft als systemimmanent statt systemüberwindend erwiesen. An einer Entfremdung von Arbeit als Ausbeutungsverhältnis hat sich allerdings objektiv nichts geändert. Insofern ist ein Klassenbewußtsein also nicht falsch - sein Fehlen Ergebnis von notwendig falschem Bewußtsein, das das dialektische Denken von konkret und abstrakt negiert.
Die gesellschaftlich notwendige Vermitteltheit abstrakter Warenform führte die Linke bisher immer auf die Fährte, mittels empirisch empfundener "Widersprüche" in der bürgerlichen Gesellschaft über einen Hebel zu deren Abschaffung zu verfügen. Dieser Irrglaube ist die Falle des gesellschaftlichen aktiven Mitmachens, das in der Zwanghaftigkeit der bürgerlichen Rationalität und Vernunft landet.
Ein Denken in Widersprüchen wurde so auch der autonomen Antifa der 90er zum Verhängnis: die Nazis sind mitnichten ein Widerspruch. Selbst wenn sie gesellschaftlich nicht wahrnehmbar sind, so sind den bürgerlichem Verhältnissen jederzeit ihre objektiven Konstitutionsbedingungen inhärent. Zu folgern ist daraus, daß nicht die Nazis das Problem der bürgerlichen Gesellschaft sind, sondern die bürgerliche Gesellschaft selbst. So auch nur kann sich revolutionäre Radikalität bestimmen: in der tatsächlichen fundamentalen Kritik vom Standpunkt der Befreiung an der Unfreiheit - mit dem Ziel und Zweck der Abschaffung der bürgerlichen Gesellschaft als das Unwahre als Ganzes (Adorno).
Das Ende des autonomen Antifaschismus, dem nichts, aber auch gar nichts zur Ehrenrettung gereichen kann, ist nur Ausdruck davon, daß das Kapital und der Staat die autonome Antifa nicht mehr als Modernisierungsfaktor benötigt. Von dieser Position und Selbstreflexion aus ist über einen Bruch und eine Veränderung nachzudenken. Historischer Antifaschismus als Brücke ins Mitmachen ist vermutlich eine einzige große Falle für radikale kommunistische Gesellschaftskritik.
Was am Ende der Antifa nötig wird, ist ein kritischer Begriff von Politik. Ein Begriff also, der sich klarmacht, daß Politik die rationalisierte Vernunft des bürgerlichen Denkens ist, das als Teil des Staates zwanghaft selbigen reproduziert. Da der Staat in der bürgerlichen Demokratie "wir alle" sind und in ganz besonderem Maße seine angeblich radikalste Opposition wie z.B. die autonome Antifa, ist Politik als falsche und pseudorebellische Vermittlungsarbeit nicht zu affimieren, sondern zu kritisieren. Praxis und Theorie dürfen dabei in ihrer Begriffsbestimmung nicht mehr die bürgerliche Trennung von Hand- und Kopfarbeit zu Grunde liegen. Das heißt: nicht die Einheit von Theorie und Praxis als Sieg des Aktionismus über das Denken, sondern ihre Überwindung in der Kritik muß zweckbestimmt derselben zugrunde liegen.
Organisierung ist das historische Trauerspiel der Linken. Sie soll von der eigenen Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen ablenken. Diese Sublimierung ist deshalb niemals Überwindung von Ohnmacht, sondern ihr verzweifelter Ausdruck.
Der Selbstbetrug der Bewegungslinken hinsichtlich ihrer angenommenen Radikalität besteht in der Multiplizierung von Herrschaftverhältnissen. In diesem Kontext hat sich die (post-)autonome Antifa nach einem kurzen Intermezzo der vulgären M/L-Tradition kontinuierlich von der Triple Oppression-Theorie der angeblich drei gleichberechtigten Widersprüche (Rassismus, Patriarchat, Kapital und Arbeit) hin zum postmodernen Geblöke des Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus entwickelt, das sich die "Welt als Neckermann-Katalog" (Initiative Sozialistisches Forum - ISF) der vielzähligen Herrschaftsverhältnisse halluziniert, deren trivialster Ausdruck die Omnipräsenz des unsäglichen Terminus vom "Diskurs" ist.
Der Bruch mit der Antifa muß ein Bruch mit der Bündnispolitik der Bewegungslinken sein. Er muß eine (Wieder-)Aneignung von Hegel, Marx, Psychoanalyse und Kritischer Theorie unter dem Vorsatz der unsicheren Position von materialistischer Erkenntnis- und Ideologiekritik zum Inhalt haben und sollte eine Art Entgiftungsprogramm des Denkens von postmodernem Gesülze über Wirklichkeit, Macht und Konstruktion sein.
Der Aneignung der Dialektik von Wesen und Erscheinung muß die Rückkehr des abstrakten kritischen Denkens folgen, deren negative Wendung als Verbot des positiven Denkens der radikalste Ausdruck von Optimismus ist. Optimismus, der die Idee des Kommunismus einzig und allein in der Negativität als Utopie bestimmt - als "Index des Richtigen, Besseren" (Adorno).
Eine Verbindung von radikaler(!) materialistischer Wert- und Staatskritik arbeitet sich nicht an der konkreten Utopie der Veränderungen auf den verschiedenen Erscheinungsebenen wie Rassismus, Sexismus oder Nazis ab, sondern kritisiert die bürgerliche Gesellschaft wegen ihres Wesens als unveränderliche abstrakte Größe, die diese Schweinereien und noch viel mehr immer wieder hervorbringt und eben objektiv einzig und allein hervorbringen kann - der Totalität der Warenform und des Tauschwertes wegen, deren "okkulte Größe" eben in der "Selbstverwertung des Werts" als "automatisches Subjekt" liegt und als Grund des Übels zumindest zu benennen ist. Genau hier nur kann radikale Kritik ansetzen, um die objektiven Konstitutionsbedingungen aller bürgerlicher Scheiße abzuschaffen. Die Unterscheidung von radikal und systemoppositionell ist die Unterscheidung zwischen kritischem bürgerlichem Denken und Kritik der bürgerlichen Gesellschaft (Postone). Diese ist vom Stande der Radikalität aus betrachtet der Unterschied ums Ganze, der auch die autonome Antifa als bürgerlich enttarnt.
Der Kapitalismus als ein abstraktes apersonales Verhältnis hat die Linke und so auch die Antifa immer wieder in die Falle der bürgerlichen Empirie und Konkretion von zweiter Natur (Marx) gelockt. Genauso hat sich die Linke vom Kapital als Modernisierungsfaktor immer wieder anbiedernd instrumentalisieren lassen.
Anzumahnen ist deshalb einzig und allein ein Bruch mit der Bewegungslinken auf der Höhe der Zeit. Und diese Zeit ist gekennzeichnet von einer nicht mal handvoll übriggebliebener sogenannter Antifa-Gruppen als Totengräber einer verstorbenen Pseudoradikalen-Bewegung namens Antifa, deren letzten linken Mohikaner plötzlich nach Jahren der Kontaktsperre zur radikalen Linken nicht etwa mit jenen, sondern zwangsweise mit sich selbst Kontakt aufnehmen wollen (vgl. den Titel des Antifakongresses im April 2001, "Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen"). Auch das ist nur Ausdruck des großen Radikalinski-Schwindels, den die "Antifa-Bewegung" zeitlebens betrieben hat.
Über all das wird zu reden sein.
Die Veranstaltung knüpft direkt an die mehrteilige Artikelserie "Kritik der Antifa" im Conne Island Newsflyer Cee Ieh Nr. 74, 75 und 76 an.

Antinationale Gruppe Leipzig

 

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