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AKTUELLES
20
Jahre Nebenwiderspruch
Warum wird
das Thema Feminismus in weiten Teilen der Linken nach wie vor mit
spitzen Fingern angefasst? Dieser Frage werden wir auf der
Veranstaltung nachgehen, denn die üblichen Reaktionsweisen von
Wortlosigkeit bis Polemik auf antisexistische und feministische Texte
und Interventionen zeigen etwas sehr deutlich: es wird Zeit, dass die
ganze Sache mal auf den Tisch kommt. Nicht jedoch als ein Vortrag von
Expert_innen, die sich auf dem Posium versammeln, sondern als
Gespräch. Anhand mehrerer Fragekomplexe beleuchten der AFBL
und LeA den Stellenwert feministischer Politik in der eigenen
Gesellschaftskritik, geben Einschätzungen zum Status Quo des
Feminismus in der (Leipziger) Linken und diskutieren die
Präsenz von Antifeminismus, um der allgemeinen Sprachlosigkeit
etwas entgegenzusetzen.
Ort: Conne
Island
Datum:
29.09.2011, 19:00
Strukturelles
Patriarchat oder heteronormative Matrix?
eine Veranstaltung von sous
la plage und dem Antifaschistischen Frauenblock Leipzig
Fabrik/Gängeviertel,
Valentinskamp 34, Hamburg, am 27.05.2010 um 19 Uhr

In
Bewegung! Know your feminist history
Vorträge,
Diskussion und Filme
Glücklicherweise
müssen wir nicht mehr darüber diskutieren, ob Frauen
wirklich wählen sollten, ob verheiratete Frauen ein eigenes
Konto besitzen dürfen oder ob Frauen ihren Beruf, ihren
Wohnort und ihre Partner_innen selbst aussuchen können. Aber
seit wann sind diese Rechte denn durchgesetzt? Wer hat dafür
gekämpft und wie wurden diese Kämpferinnen
bekämpft? Und: Was ist denn geblieben von vergangenen
Kämpfen? Welche müssen weiterhin geführt
werden, welche sind neu hinzugekommen? Um diese und weitere Fragen wird
es in den Veranstaltungen gehen.
Die Erste und Zweite Frauenbewegung und ihre Protagonist_innen sollen
nicht nur vorgestellt, sondern auch kritisch diskutiert werden. Die
Differenzen, die innerhalb der sehr verschiedenen Frauenorganisationen
existierten und die unterschiedlichen Themenfelder, mit denen sich
Frauenrechtlerinnen und Feministinnen beschäftig(t)en, werden
genauso aufgegriffen wie die gesellschaftlichen und politischen
Wirkungen, die sie erzielten. Doch nicht nur der feministische Aufbruch
in Westdeutschland wird thematisiert, auch Emanzipationsbegriff und
Rollenverständnis von Frauen in der DDR werden in einer
Podiumsdiskussion gemeinsam mit Protagonistinnen diskutiert.
Heute geht es neben einer Analyse des
Geschlechterverhältnisses und der Frage nach dem Status Quo
des strukturellen Patriarchats auch darum, wie Gechlechtergrenzen
aufzuweichen oder gar aufzulösen seien.
Queere Theorie und Praxis hat sich aus dem Feminismus heraus
entwickelt, mit dem Ziel Geschlecht zu dekonstruieren und die
heterosexuelle Norm zu hinterfragen. Häufig, so scheint es
zumindest, werden dabei vornehmlich individuelle Praktiken entwickelt
und Gesellschaftskritik vernachlässigt. Grund genug zu fragen:
Welche politische Dimension besitzt „queer“?
Begleitet werden die Veranstaltungen von einer Filmreihe im UT
Connewitz, in der einige Perlen der queer- feministischen
Filmgeschichte zu sehen sein werden. Filme als Medium wurden oft
genutzt, um deviante Rollenbilder und ein emanzipatorisches
Geschlechterverhältnis zu entwerfen oder Kritik am Bestehenden
zu formulieren. Wir wollen rückblickend zeigen, wie diese
Bilder aussahen und aussehen und dem kulturellen Wirken von
Feminist_innen eine Öffentlichkeit bieten.
11.05.2010,
19.30 Uhr, Conne Island
Die Erste Frauenbewegung
— antimoderne Moderne?
Referentin: Anna Pollmann, Kulturwissenschaftlerin
Die Erste
Frauenbewegung kann einerseits als Ausdruck der Moderne verstanden
werden, andererseits trägt sie auch antimoderne Züge,
die sich besonders in der Auseinandersetzung mit dem Arbeitsbegriff,
antisemitischen Stereotypen und Rassedenken zeigen. Ihre GegnerInnen
sahen die Frauenbewegung oft als Untergang für die bestehende
Kultur an und setzten z.B. jüdische Emanzipation mit der von
Frauen gleich, um sie als jüdisches Machwerk zu diffamieren.
Die Veranstaltung zeigt moderne wie antimoderne Inhalte der Ersten
Frauenbewegung auf und diskutiert, welche Themen die Frauen
beschäftigten, wie sie sich zusammenschlossen und welche
Konflikte innerhalb der unterschiedlichen Organisationen existierten.
03.06. 2010, 19.30 Uhr,
Conne Island
»Die Frauenfrage
ist gelöst!«
Rollenbilder und Emanzipationsbegriff von Frauen in der DDR
Ein Podiumsgespräch mit Karin
Dauenheimer (Dipl. Theologin, Künstlerin, damals AK
Homosexualität in der ev. Kirche und AK Feministische
Theologie), Annegret Schüle (Historikerin mit Schwerpunkt
Frauen als Werktätige in der DDR), Birgit Bütow
(Soziologin mit dem Schwerpunkt Frauen- und Mädchenarbeit) und
Monique Förster (Leiterin Kunsthaus Erfurt,
Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe ExterraXX).
Das
sozialistische Ideal sah für Frauen Gleichberechtigung vor.
Als Werktätige galten sie quasi automatisch auch in allen
anderen Bereichen als befreit.
Aber waren Frauen in der DDR dem Abbau geschlechterspezifischer
Hierarchien tatsächlich nähergekommen? Es gab Einige,
die dies in Frage stellten, und sich damit der Anschuldigung der
Systemkritik aussetzten. Wie sich Frauen dennoch organisierten, welche
Formen und Inhalte Frauengruppen in der DDR hatten und wie
widersprüchlich die Situation von Frauen wahrgenommen wurde,
ist das Thema dieses Abends.
17.06.2010,
19:30 Uhr, GfzK
Die Zweite Frauenbewegung
— Wie aus Selbstbestimmungsrecht Self-Managment wurde
Referentin: Paula-Irene Villa, Soziologin
Nach einer
kurzen Einleitung in die Geschichte der Zweiten Frauenbewegung in der
BRD diskutiert Paula-Irene Villa in ihrem Referat die Frage, inwieweit
die Zweiten Frauenbewegung mit ihrer Verknüpfung des Privaten
und Politischen sowie ihrem Einklagen nach feministischer
Selbstermächtigung und Autonomie in Bezug auf den eigenen
Körper („mein Bauch gehört mir“)
die heute gängige individualistische Manipulation des
Körpers (z.B. durch Schönheitschirurgie,
Diäten, Kosmetik), beziehungsweise einen Zwang zum
Selbstmanagement qua Körper gleichsam mit hervorgebracht habe.
05.07.2010, 19.30
Uhr, Conne Island
Theorie und Bewegung
— Queere Herrschaftskritik und politische Interventionen
Referent: Volker Woltersdorff alias Lore
Logorrhöe, Kulturwissenschaftler
Queere
Theorie befragt die Normierung von Geschlecht und Sexualität
und verweist auf die Ausschlüsse bei der Re-/Produktion von
Identitäten. Dabei betont sie die Verwobenheit verschiedener
Herrschaftsunterscheidungen. Queer-politische Interventionen sind zu
einem festen Bestandteil feministischer und sexualpolitischer
Kämpfe geworden. Wie sind Queer Theory und Queer Politics
entstanden? Welche neuen Begriffe werden diskutiert? Welche
Entwicklungen und Konflikte gab es? Wo sind ungelöste
Sollbruchstellen? Welches politische Potenzial steckt darin?
Filmreihe
Diese Filmreihe gibt einen kleinen Einblick in queer-feministischen
Filmgeschichte. Die Filme laufen ergänzend zur
Veranstaltungsreihe und spannen ebenfalls einen Bogen von der Zeit der
Ersten Frauenbewegung bis zur queeren Theorie und Praxis.
18.05.2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
A
Florida Enchantment
(USA 1914, 63 min, Stummfilm, Sidney Drew)
Lillian
Travers, eine gelangweilte junge Frau, ist die Eskapaden ihres
wesentlich älteren Verlobten leid. Zufällig gelangt
sie in den Besitz geheimnisvoller Kräuter, die eine
Verwandlung von Männern in Frauen und von Frauen in
Männer bewirken sollen. Einmal eingenommen, hat Lillian als
Mann eine phantastische Zeit. Sie küsst andere Frauen, raucht
Zigaretten, trägt Männerkleidung und
genießt die neu entdeckte Unabhängigkeit. Das sorgt
ordentlich für Verwirrung, nicht zuletzt bei ihrem Verlobten.
Um ihn loszuwerden, bewegt sie ihn zur Einnahme der Kräuter.
Für ihn jedoch wird der Geschlechtertausch
gefährlich, als er versucht, einen Mann zu verführen.
Der außergewöhnliche Stummfilm aus dem Beginn des
20. Jahrhunderts gilt als der erste von einer Frau gedrehte
Hollywoodfilm.
01.06. 2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
Born in Flames
(USA 1983, 80 min, Pseudodoku, Regie: Lizzie
Borden)
Ein
feministischer Science-Fiction, der mit pseudodokumentarischen Bildern
ein imaginäres New York zehn Jahre nach der sozialistischen
Revolution entwirft. Immer noch sind Frauen von Unterdrückung
und Gewalt betroffen. Im Untergrund beginnen sie sich zu organisieren
– doch je nach Herkunft und Identität bilden sich
verschiedene Gruppen, die sehr unterschiedliche Ideen davon haben, was
zu verändern sei und wie. Als die charismatische
Anführerin der „Women`s Army“ auf
mysteriöse Weise im Polizeigewahrsam umkommt,
schließen sich ein Zeitungskollektiv weißer
Mittelschichtsfrauen und die zwei ungleichen Piratinnen-Sender
„Phoenix Radio“ (Rap) und „Radio
Ragazza“ (Punk) zusammen, um die feministische
Gegenrevolution anzuführen. Noch 25 Jahre nach Entstehung des
Films haben die politischen Debatten eine erstaunliche
Aktualität.
08.06. 2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
Tausendschönchen
(CSSR, 1966, 74 min, Regie: Vera
Chytilová)
Weiblicher
Hedonismus im realen Sozialismus: Marie und Marie toben spielerisch
durch die bürgerlich-patriarchale Gesellschaft und
hinterlassen eine dabei eine Spur der Zerstörung. In lose
verbundenen, surrealistischen Szenen erzählt der Film mit
allem was Avantgarde und Pop-Art zu dieser Zeit zu bieten hatten von
der Zerstörung als befreiender und gefährlicher
Kraft. Dieses anarcho-feministische Glanzstück wurde nach der
Zerschlagung des Prager Frühlings in der CSSR verboten.
24.06.2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
Wild Side
(Frankreich/Belgien 2004, 94 min, Regie:
Sébastien Lifshitz)
Stéphanie
erfährt durch einen Anruf, dass ihre Mutter im Sterben liegt.
Die Prostituierte, einst als Pierre in der Provinz aufgewachsen,
fährt mit dem Gelegenheitsstricher Djamel und dem
Tschetschenien-Veteranen Mikhail in ihre ungeliebte Heimat. Wortkarg
und mit wundervollen poetischen Bilder beschreibt der Film die
Ablösung von der Mutter als Repräsentantin der
bürgerlichen Familie und entwirft die Wahlverwandschaft der
Figuren als innige Gemeinschaft, in der es um Bindung und nicht um
Identitätssuche geht.

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